Adipositaszentrum – wenn das Gewicht zur Last wird

Bei der Adipositas (lat. adeps = Fett) bzw. Fettleibigkeit, Fettsucht, Obesitas handelt es sich um ein starkes Übergewicht, das durch eine über das normale Maß hinausgehende Vermehrung des Körperfettes mit krankhaften Auswirkungen gekennzeichnet ist. Eine Adipositas liegt – nach WHO-Definition – ab einem Körpermasseindex (BMI) von 30 kg/m² vor, wobei drei Schweregrade unterschieden werden, zu deren Abgrenzung ebenfalls der BMI herangezogen wird. Indikatoren für den Anteil von Körperfett und dessen Verteilung sind der Bauchumfang und das Taille-Hüft-Verhältnis.

Übergewicht und Adipositas sind verantwortlich für ca. 80 % der Diabetes Mellitus Typ 2 (Zuckerkrankheit) Fälle, 35 % der ischämischen Herzerkrankungen und 55 % der Hypertonie (Bluthochdruck) in der erwachsenen Bevölkerung Europas. Übergewicht ist hier somit verantwortlich für den Verlust von jährlich ca. 12 Millionen gesunden Lebensjahren.

Im Bariatrischen Zentrum des Krankenhauses Maria Hilf bieten wir Ihnen erfolgsversprechende Konzepte zur Gewichtsreduzierung, da wir eng in einem interdisziplinären Team zusammen arbeiten.

Das Team

Adipositassprechstunde

In einer speziellen Adipositassprechstunde werden Sie über die Möglichkeiten und Chancen der konservativen und operativen Gewichtsreduzierung beraten. Eine enge Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten, die zum Teil auch in die Teamkonferenzen des interdiziplinären Teams eingebunden werden, ist für uns von größter Wichtigkeit.

Wir begleiten Sie gerne auf Ihrem Weg, und stehen Ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Termine für die Sprechstunde erhalten Sie im Adipositassekretariat.

Oft gestellte Fragen

Wenn Sie noch weitere Fragen haben, steht Ihnen Dr. med. Frank Houben per E-Mail an f.houben(at)krankenhaus-warstein.de gerne zur Verfügung.

Was versteht man unter einem multimodalen Therapiekonzept?

Darunter versteht man, dass über einen bestimmten Zeitraum (6 – 12 Monate) gleichzeitig folgende Maßnahmen durchgeführt werden müssen:

  • Ernährungsberatung
  • Regelmäßiges Bewegungstraining (mindestens 3 x 30 Minuten pro Woche)
  • Verhaltenstherapie bzw. psychosomatische Begutachtung
  • Teilnahme an der Selbsthilfegruppe

Alles muss genau dokumentiert werden. Sie bekommen bei Ihrem ersten Termin ein „Verlaufsbuch“. Darin können Sie alle Termine eintragen, bzw. abstempeln lassen.

Wozu dient die Teilnahme an der Selbsthilfegruppe?

Die „Selbsthilfegruppe Adipositas“ trifft sich 2 x monatlich regelmäßig in der Cafeteria unseres Krankenhauses, und das erwartet Sie:

  • Erfahrungsaustausch
  • Organisation von gemeinsamen Unternehmungen
  • Vermittlung wichtiger Kontakte
  • Tipps und Vorträge

Unter Gleichgesinnten werden sich viele Fragen ergeben, die man woanders nicht stellen mag. Sie erhalten z. B. aber auch die Gelegenheit, mit Patienten in der OP-Vorbereitungsphase und auch nach der Operation zu sprechen. Vor allem von schon operierten Patienten können Sie Erfahrungen und klare Antworten erwarten, wie z. B. „Darf ich kohlesäurehaltige Getränke zu mir nehmen?“ „Wie geht mein persönliches Umfeld mit der Operation um?” „Wie wichtig ist Sport?“.

Ich mache regelmäßig alleine Sport. Wie weise ich nach, dass ich wirklich ein Bewegungstraining durchgeführt habe?

Im Rahmen der Begutachtung muss den Angaben des Versicherten grundsätzlich geglaubt werden! In unserem „Verlaufsbuch“ können Sie Ihre Bewegungstraining (mind. 30 Minuten) mit Datum dokumentieren.

Ich bin schwer gehbehindert und kann keinen Sport mehr treiben. Komme ich trotzdem für eine Operation in Frage?

Grundsätzlich ja, aber hierbei sind viele Faktoren entscheidend, die nur in einem persönlichen Gespräch geklärt werden können. Durch eine Operation und die Reduzierung des Übergewichts entlastet man die stark beanspruchten Gelenke. Des Weiteren lässt sich auch mit einer schweren Behinderung noch ein angepasstes Bewegungstraining (z. B. Hocker-Gymnastik) absolvieren. Wichtig ist, dass Sie Ihre Muskelmasse aufbauen, um den Grundumsatz zu steigern.

Wer kann ein psychologisches Gutachten verfassen?

Falls Sie sich in ambulanter Psychotherapie befinden, kann Ihr Psychotherapeut ein Gutachten erstellen. Das Krankenhaus Maria Hilf arbeitet mit dem MVZ Anröchte und den LWL-Kliniken zusammen.

Ich hatte bereits früher schon einmal eine Ernährungsberatung und möchte mich jetzt operieren lassen. Muss ich die Ernährungsberatung jetzt wiederholen?

Die Begutachtungsleitlinie sieht vor, dass alle Maßnahmen im Rahmen des multimodalen Therapiekonzeptes zeitgleich und innerhalb der letzten 2 Jahre erfolgt sind. Eine länger zurückliegende Ernährungsberatung ist sicher in der gesamten Vorgeschichte wichtig, hilft Ihnen aber letztlich hier nicht weiter. Sie müssen die Ernährungsberatung in diesem Fall noch einmal wiederholen.

Wer kann ein psychologisches Gutachten verfassen?

Falls Sie sich in ambulanter Psychotherapie befinden, kann Ihr Psychotherapeut ein Gutachten erstellen. Das Krankenhaus Maria Hilf arbeitet mit dem MVZ Anröchte und den LWL-Kliniken zusammen.

Wie lange dauert eine Kostenzusage der Krankenkasse?

Einige Kassen sind in der Bearbeitung des gestellten Antrages sehr schnell, bei anderen Kassen dauert diese oft Monate. Zunächst überprüft der/die Sachbearbeiter(in) den Antrag auf Vollständigkeit. Der Antrag wird dann zunächst an den Medizinischen Dienst zur Beurteilung nach Aktenlage weitergeleitet. Diese Weiterleitung sollte binnen weniger Tage erfolgen. Möglicherweise fordert der/die Sachbearbeiter(in) zunächst weitere Unterlagen oder Angaben an, dies ergibt sich aus dem Fragenkatalog des sog. MDS-Begutachtungs-Leitfadens. Die meisten Fragen sind allerdings in der Regel schon mit der Stellungnahme des verantwortlichen Chirurgen beantwortet. Dieser Umweg führt leider zu Verzögerungen, so dass dabei schon einige Wochen ins Land ziehen können. Nach der Kostenzusage erhalten Sie bei uns einen Operationstermin meistens innerhalb von 2 Wochen.

Mein Antrag wurde abgelehnt. Kann ich Widerspruch einlegen, und wie mache ich das?

Wenn Ihr erster Antrag auf Kostenzusage für einen adipositaschirurgischen Eingriff abgelehnt wurde, machen Sie bitte noch einmal einen Termin in der Adipositassprechstunde. Hier wird dann noch einmal überprüft, inwieweit die Voraussetzungen aus unserer Sicht erfüllt sind und wir stehen Ihnen mit Rat und Tat zur Seite. In vielen Fällen gelingt es dann doch, eine Kostenzusage zu kommen.

Mein Antrag wurde bereits zwei Mal abgelehnt. Kann ich die Operation selber bezahlen?

Ja, es besteht die Möglichkeit, als sogenannter „Selbstzahler“ operiert zu werden. Wir beraten Sie und klären Sie umfassend über die damit verbundenen Risiken sowie eventuelle Komplikationen auf. Es gibt mittlerweile auch eine Risiko-Versicherung (z. B. der Firma Scanmedic), die vor Operationen abgeschlossen werden kann.

Mein BMI beträgt über 60 kg/m². Ist es wahr dass es da eine Ausnahmeregelung gibt?

Prinzipiell ja. Bei einem BMI > 60 (die neuen Leitlinie gehen schon von einem BMI > 50 aus) geht auch der Medizinische Dienst davon aus, dass unter der multimodalen Therapie keine nennenswerte Gewichtsreduktion mehr zu erreichen ist, da u.a. die Bewegungstherapie durch das sehr hohe Gewicht sehr schwierig und gelenkbelastend ist. Sie absolvieren dann kurz vor der OP ein Programm (Flüssigphase), das letztlich der Vorbereitung auf die Operation dient. Sie erhalten im Vorfeld einen Termin bei unserer hausinternen Ernährungsberaterin, die die Ernährung vor und nach der Operation gezielt mit Ihnen bespricht. Dringend zu empfehlen ist auch die Teilnahme an der Selbsthilfegruppe.

Wie lange dauert der Aufenthalt im Krankenhaus?

Sie werden am Operationstag oder einen Tag vor der Operation aufgenommen. Der stationäre Aufenthalt dauert in der Regel 5 – 7 Tage.

Gibt es auf der Station spezielle Zimmer?

Ja, einige unserer Zimmer und Hilfsmittel sind speziell auf die Bedürfnisse adipöser Patienten ausgerichtet.

Was ist eine „Flüssigphase“?

Gemeint ist damit die Phase zur Vorbereitung auf die Operation und eine kurze Phase nach der Operation. Diese Flüssigphase erstreckt sich über ca. 10 Tage vor der Operation. Ausschlaggebend für die genaue Bestimmung ist Ihr BMI. Das Ziel dieser Maßnahme ist eine sehr schnelle Gewichtsreduktion, die vor allem zu einer Verkleinerung der Leber führen soll. Zusätzlich entleeren sich der Magen und Darm sehr gut. Genau besprochen wird die Flüssigphase vor der OP mit unserer hausinternen Ernährungsberaterin.

Was hat es mit dem sogenannten Hungerhormon (Ghrelin) auf sich?

Ghrelin wird im Magen produziert und ist u. a. verantwortlich für das Hungergefühl. Der Ghrelin-Spiegel reduziert sich nach einer Schlauchmagen-Operation unmittelbar um 50%, da ein großes Stück des Magens entfernt wird. So wird in der frühen Phase nach der Operation der Verzicht auf große Nahrungsmengen erleichtert. Es ist aber nicht erwiesen, dass dies auf Dauer so bleibt.

Müssen Medikamente nach einer Schlauchmagen-OP reduziert werden und nimmt man sie anders ein?

Bei einem Schlauchmagen kann man zunächst einmal davon ausgehen, dass alle Medikamente wie gewohnt wieder eingenommen werden können. Man muss jedoch berücksichtigen, dass oftmals Blutdruck-Medikamente und Antidiabetika bei einem Diabetes mellitus Typ 2 sehr rasch reduziert werden müssen, da sich die Werte rasch bessern können. Dies besprechen Sie bitte unbedingt mit Ihrem Arzt.

Wer betreut mich nach der Operation weiter?

Es wird gefordert, dass Adipositaszentren eine lebenslange Nachsorge gewährleisten. Selbstverständlich ist dies ist im Krankenhaus Maria Hilf der Fall. Die Häufigkeit der Nachsorgetermine richtet sich nach der durchgeführten Operation, der Dynamik des Gewichtsverlusts und nach ggf. auftretenden Problemen sowie Komplikationen. Sie kommen in festgelegten Abständen in die Sprechstunde. Im ersten postoperativen Jahr treten Komplikationen am häufigsten auf, so dass in diesem Zeitraum die Nachsorge besonders engmaschig ist. Wir arbeiten eng mit den niedergelassenen Ärzten zusammen. Der Patient erhält zur Kontrolle einen Nachsorgepass von uns, den er eigenverantwortlich führt

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Jeden Mittwoch von 10:00 bis 13:00 Uhr nur nach telefonischer Vereinbarung.

Falls Sie Ihren Termin absagen müssen oder verschieben möchten, benachrichtigen Sie uns bitte rechtzeitig telefonisch unter 02902 891-651 oder per mail an adipositas(at)krankenhaus-warstein.de.

Adipositas Sekretariat

Telefon: 02902 891-651
Telefax: 02902 891-190
adipositas(at)krankenhaus-warstein.de

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